Kesslergrube

TOTALAUSHUB der gesamten Kesslergrube – JETZT!

06.05.2014 Gutachter bestätigt:
Totalaushub der Kesslergrube ist nachhaltiger als Einkapslung!

Grenzach-Wyhlen braucht Unterstützung
vom Landratsamt und der Politik!

Unter dem Begriff „Kesslergrube“ im OT Grenzach wird eine Altlastenfläche zusammengefasst, die zu einem großen Teil auf dem BASF Werksareal liegt und sich angrenzend auf Eigentumsfläche der Firma Roche erstreckt.

Der problematische Teil der dort abgelagerten Stoffe umfasst teilweise hoch-giftige Chemieabfälle.  Das Grundwasser ist durch diese Abfälle verseucht und der Sanierungsbedarf der Kesslergrube wurde amtlich festgestellt. Die neueren Gutachten dazu sind teilweise auf der Homepage des Landratsamtes Lörrach online gestellt, ältere Gutachten können vor Ort eingesehen werden.

Zwei Gutachten-Zitate wollen wir hier exemplarisch herausstellen um die Situation und den Ernst der Lage zu verdeutlichen:

Zitat 1 aus einem HPC Gutachten: „Das Schadstoffpotenzial der Kesslergrube ist so erheblich, dass es sich nicht in wenigen Generationen erschöpft“

Zitat 2 aus einem HPC Gutachten: „Chlorbenzol – Zeitdauer bis zum 99,9%igen Austrag (exponentielle Abnahme): 13.000 Jahre

Eine Trinkwasserverseuchung liegt durch den Einfluss der Kesslergrube nicht vor, da es sich bei Trinkwasser gewöhnlich um ein gereinigtes Endprodukt handelt, und sich das Grundwasser (als Rohstoff für Trinkwasser) im Kesslergrubenbereich nicht im näheren Einzugsbereich unserer aktuellen Trinkwasserbrunnen befindet (das Grundwasser der Kesslergrube kann aber die Trinkwasseraufbereitung im Muttenzer Hardwald tangieren). Es wäre schön, wenn wir unser Grundwasser mehr oder weniger direkt als Trinkwasser verwenden könnten. Leider ist das Grundwasser aber so sehr belastet – und die Gründe dafür sind vielfältig -, dass eine aufwändige Aufbereitung durch Aktivkohlebehandlung und Oxidation nötig ist um daraus Trinkwasser zu gewinnen.  Man geht davon aus, dass sich durch diese Behandlung keine Schadstoffe mehr in nennenswertem Umfang im Trinkwasser befinden. Klar ist aber auch, dass die verschiedenen, unterschiedlich belasteten Grundwasservorkommen in der Region miteinander kommunizieren und sich unter besonderen Umständen miteinander vermischen können. Ein Grund, warum unser Trinkwasser durch eine aufwändige Aufbereitung muss – gestern, heute und in der mittleren Zukunft! Mehrere Gutachten und Veröffentlichungen belegen die komplexen und kommunizierenden hydrogeologischen Gegebenheiten in der Agglomeration Basel.

Umso wichtiger ist es heute eine Sanierungs-Lösung für die Kesslergrube zu finden die nachhaltig und endgültig ist und diese dann auch sofort umzusetzen. Unser ehemaliger Ministerpräsident Lothar Späth war geradezu visionär als er schon 1978 bei einer Altlastenbegutachtung in Grenzach-Wyhlen forderte: „Das Zeug muss raus – koste es, was es wolle!“ Im Bereich der Kesslergrube ist dann 35 Jahre lang nichts passiert…ein SKANDAL politisch, menschlich, ökologisch!

Ziel einer Sanierungsmaßnahme sollte sein, so eine Verwaltungsvorschrift des Landes Baden-Württemberg, einen Zustand zu schaffen, bei dem in den (ehemals) kontaminierten Umweltmedien Schadstoffkonzentrationen nur noch in dem Umfang zu messen sind, wie sie den natürlichen oder anthropogenen Hintergrundwerten entsprechen oder diesen nahekommen. Weiter heißt es in der Verwaltungsvorschrift, dass es in einer Vielzahl von Fällen nicht sinnvoll sei, dieses Ziel zu verfolgen, und zwar dann, wenn es nur mit einem wirtschaftlich oder rechtlich unverhältnismäßigen Aufwand zu erreichen ist und/oder dabei wegen der negativen Sekundärfolgen der Sanierung eine ungünstige Umweltbilanz entstehen würde. Daher sei bei der Festlegung von Sanierungszielen eine Abwägung ALLER Umstände des jeweiligen Einzelfalles notwendig.

Die genannte Verwaltungsvorschrift soll als Vollzugshilfe bei der ERMESSENS-Ausübung herangezogen werden und bewegt uns zur Formulierung der folgenden Fragen, die wir später beantworten werden:

Frage 1: Was ist das Sanierungsziel?

Frage 2: Welche Sanierungs-Maßnahmen kommen in Frage?

Frage 3: Ist die Maßnahme „wirtschaftlich“, ist der Aufwand „verhältnismäßig“?

Frage 4: Entsteht durch die Sanierung eine ungünstige Umweltbilanz?

Das übergeordnete und damit wichtigere Bundesbodenschutzgesetz (BBodSchG) verfolgt das Ziel, nachhaltig die Funktionen des Bodens zu sichern oder wiederherzustellen. Es sieht als Sanierungsmaßnahmen Dekontaminationsmaßnahmen vor, wenn sie auf technisch und wirtschaftlich durchführbaren Verfahren beruhen, die ihre praktische Eignung zur umweltverträglichen Beseitigung oder Verminderung der Schadstoffe gesichert erscheinen lassen. Sicherungsmaßnahmen sind zur Sanierung geeignet, wenn sie gewährleisten, dass durch die im Boden oder in Altlasten verbleibenden Schadstoffe DAUERHAFT keine Gefahren, keine erheblichen Nachteile oder erhebliche Belästigungen für den einzelnen oder die Allgemeinheit entstehen. Hierbei ist das Gefahrenpotential der im Boden verbleibenden Schadstoffe und deren Umwandlungsprodukte zu berücksichtigen. Eine nachträgliche Wiederherstellung der Sicherungswirkung im Sinne der Dekontamination muss möglich sein. Die Wirksamkeit von Sicherungsmaßnahmen ist gegenüber der zuständigen Behörde zu belegen und DAUERHAFT zu überwachen.  –

Daraus ergeben sich die folgenden Fragen die wir später beantworten werden:

Frage 5: Ist die ergriffene Maßnahme „dauerhaft“?

Frage 6: Ist die BBodSchG-Maxime in Bezug auf „Nachhaltigkeit“ erfüllt?

Indirekt stehen damit noch die folgenden Begriffsdefinitionen im Zusammenhang:

Frage 7: Was bedeutet „wirtschaftlich“

Frage 8: Was bedeutet „Energiebilanz“

Frage 9: Was bedeutet „nachhaltig“?

Die Firma Roche ergreift für ihren Teil der Kesslergrube die Dekontaminationsmaßnahme. D.h.: das kontaminierte Material wird ausgehoben (ausgekoffert) und thermisch, z.B. in einem Hochtemperaturverbrennungsofen, so behandelt, dass Giftstoffe in harmlose oder harmlosere Stoffe umgewandelt werden. Bei diesen Vorgängen entsteht z.B. CO2. Der Transport des Aushub- oder Auffüllmaterials kann über die Schiene, per LKW und evtl. auch mit Schiffen (z.B. wie gerade bei Novartis in Hüningen praktiziert) über den Rhein abgewickelt werden. Die Kriterien: Wirtschaftlichkeit, Dauerhaftigkeit, Verhältnismäßigkeit, Umweltbilanz, Nachhaltigkeit und Sanierungsziel, sind offensichtlich positiv erfüllt worden.

Die BASF hingegen möchte lediglich eine Sicherungsmaßnahme durchführen, eine Einkapselung mit permanenter Überwachung und ggf. Nachreinigung von Grundwasser.

Ist diese Sicherungsmaßname eine geeignete und gleichwertige, gesetzeskonforme Variante? Wir werden diese Frage – bezogen auf die momentane BASF Variante – nun über die Beantwortung der Einzelfragen beantworten.

Frage 9: Was bedeutet „nachhaltig“?

Im Prinzip geht es um den langfristig angelegten und verantwortungsbewussten dauerhaften Umgang mit einer Ressource (in unserem Fall mit dem Boden und dem Grundwasser unter der Kesslergrube). Dabei sind die umweltpolitische Ziele den ökonomischen und sozialen Entwicklungszielen gleichgestellt. Alle drei Komponenten sind also gleichberechtigt: Umwelt, Gemeinschaft, Wirtschaft. Sind diese im Gleichgewicht, dann kann man von Nachhaltigkeit sprechen.

Diese Definition wird auf höchster Bundesebene gestützt. Wir möchten daher an dieser Stelle auf die Webseite des Rates für Nachhaltige Entwicklung verweisen „Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet also: Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben.“, sowie Die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung: „Nachhaltigkeit bedeutet: Nur so viel Holz schlagen, wie auch nachwachsen kann. Vom Ertrag – und nicht von der Substanz leben. Mit Blick auf die Gesellschaft bedeutet dies: Jede Generation muss ihre Aufgaben lösen und darf sie nicht den nachkommenden Generationen aufbürden.

Frage 8: Was bedeutet „Energiebilanz“ oder Ökobilanz?

Wenn man die Ökobilanz einer Sicherungsmaßnahme der einer Dekontaminationsmaßnahme gegenüberstellt, handelt es sich um eine vergleichende Ökobilanz, die eine Gegenüberstellung mehrerer Produkte (in unserem Fall die beiden verschiedenen Sanierungsmaßnahmen) verfolgt. Es ist z.B. klar, dass bei der Dekontaminationsmaßnahme durch Transport und Verbrennung mehr CO2 entsteht, als durch die Sicherungsmaßnahme. Die Ökobilanz erscheint bei der Sicherungsmaßnahme besser zu sein. Doch halt, wir machen hier einen unzulässigen Vergleich. Die richtige Ökobilanz wäre in unserem Fall ein Vergleich der Giftwirkung des entstehenden CO2s mit der Giftwirkung der in der Kesslergrube enthaltenen Inhaltsstoffe. Das entstehende CO2 ist weder am Ort der Entstehung giftig, noch wird es im Vergleich zum globalen Ausstoß einen nennenswerten Anteil am Klimawandel haben. Das Gift in der Kesslergrube bleibt aber eine dauerhafte Gefahr für kommende Generationen, wenn sich die Maßnahme durch höhere Gewalt oder gesellschaftliche Veränderungen über die nächsten Jahrtausende nicht dauerhaft überwachen lässt.  Die Ökobilanz beider Maßnahmen lässt sich also nicht seriös vergleichen, die Wirkung auf die Umwelt durch Stoffe in der Kesslergrube ist im Störfall unkontrollierbar. Zu sagen, die Dekontaminationsmaßnahme hätte eine schlechtere Ökobilanz als die Sicherungsmaßnahme, ist letztlich eine unbeweisbare Behauptung, weil am Ende unterschiedliche Produkte herauskommen (ein saniertes Areal vs. ein konserviertes Areal). Es herrscht keinerlei wissenschaftliche Einigkeit welche Kriterien bei solch willkürlichen Vergleichen relevant sind. Zum Vergleich, wäre die Firma Zimmermann auf dem BASF Areal ortsansässig geworden, und hätte sich ihr Geschäft wie erwartet entwickelt, dann würde es weniger als 4 Jahre dauern, bis die gleiche Anzahl von LKW Transporten aus ganz Deutschland eine ähnliche Menge CO2 ausgestoßen hätten (für die Heranschaffung von Gefahrstoffen) wie durch den Abtransport von Giftstoffen aus der Kesslergrube.

Frage 7: Was bedeutet „wirtschaftlich“?

Wirtschaftlichkeit ist ein Maß für Sparsamkeit oder Effizienz; sie ist dimensionslos. Auch dieser Begriff ist hier als Beurteilungs-Kriterium wenig hilfreich. Die billigere Variante ist dann selbstverständlich wirtschaftlicher wenn sie zum gleichen Produkt führt. Nun wird es etwas abstrakt: Ist das Endprodukt einzig eine „gesetzeskonforme Sanierung“, dann wäre tatsächlich die billigste Variante die zum Ziel führt die wirtschaftlichste. Die BASF scheint darauf zu spekulieren, ignoriert aber das Mandat der Nachhaltigkeit, das gleichberechtige Nebeneinander von Umwelt, Gemeinschaft und Wirtschaft. Ist das Endprodukt hingegen ein saniertes Areal, bei dem „ein Zustand geschaffen wurde, der nur noch Schadstoffkonzentrationen in den (ehemals) kontaminierten Umweltmedien aufweist, die den natürlichen oder anthropogenen Hintergrundwerten entsprechen oder diesen nahekommen“, dann kann man nur Maßnahmen in Bezug auf Wirtschaftlichkeit vergleichen, die alle zu genau diesem Ziel führen. Weiterhin wurde bisher bei allen Betrachtungen das Wertschöpfungspotential der unterschiedlichen Varianten nicht berücksichtigt. Auf einem sanierten Areal können sich innovative Firmen niederlassen. Auf einem gesicherten Areal wird das niemand realistisch tun wollen. Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg hat diesen Zusammenhang erkannt: „Die Sanierung insbesondere innerstädtischer Industriebrachen mit ihren Altlasten ist in vielen Fällen eine entscheidende Voraussetzung für die künftige ökologische, wirtschaftliche und städtebauliche Entwicklung der Kommunen„. Wer möchte schon eine Firma auf einer Giftmüllaltlast betreiben, oder direkt daneben? – Die Firma Roche hat hier offensichtlich mit der Dekontaminationsmaßnahme eine wirtschaftliche Lösung gefunden. Auch für die BASF ist die Totalsanierung gemessen an der Finanzkraft dieses Konzerns wirtschaftlich tragbar und verhältnismäßig. Selbst wenn die Sicherungsmaßnahme 100 Jahre lang hält, so muss sie doch noch mindestens 100 Mal ersetzt werden. Insofern sind die Gesamtkosten über 10.000 Jahre gerechnet astronomisch. Würde sich die BASF der Sanierungsvariante der Roche anschließen, entstünden wahrscheinlich signifikante Synergien und Kosteneinsparmöglichkeiten die sich positiv auf die Gesamt-Wirtschaftlichkeit einer Totalsanierung auswirken würden.

Frage 6: Ist die BBodSchG-Maxime in Bezug auf „Nachhaltigkeit“ erfüllt?

Die momentan von der BASF favorisierte Sanierungsmaßnahme, die Sicherungsmaßnahme, ist nicht nachhaltig, weil offensichtlich kein Gleichgewicht zwischen Umwelt, Gemeinschaft und Wirtschaft entsteht. Die Gemeinschaft sieht diese Maßnahme als eindeutig schlechter für die Umwelt und die zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklungschancen Grenzach-Wyhlens an, als die Totalsanierung mittels Dekontaminationsmaßnahme wie sie die Roche praktiziert.

Frage 5: Ist die propagierte Maßnahme „dauerhaft“?

Bietet die BASF mit der Sicherungsmaßnahme eine dauerhafte Maßnahme im Sinne des Gesetzes an? Dies darf stark bezweifelt werden. Das Gefahrenpotenzial der Kesslergrube erstreckt sich über mehr als 10.000 Jahre, eine Einkapselung ist aber nur für 50 Jahre garantiert, hält im besten Fall vielleicht 100 Jahre und muss somit ca. 100 mal ersetzt werden. Die nötigen Begleitmaßnahmen (Sensorik, Deponie- und ggf. Grund-Wasseraufbereitung) müssten ebenfalls über 10.000 Jahre betrieben und bezahlt werden. Niemand kann dies garantieren. Es gibt in der Geschichte der Menschheit kein positives Beispiel für einen solchen Fall. Nochmal zur Erinnerung, im Gesetz steht: „Sicherungsmaßnahmen sind zur Sanierung geeignet, wenn sie gewährleisten, dass durch die im Boden oder in Altlasten verbleibenden Schadstoffe DAUERHAFT keine Gefahren, erheblichen Nachteile oder erheblichen Belästigungen für den einzelnen oder die Allgemeinheit entstehen.“  Wann wäre dann eine Sicherungsmaßnahme überhaupt sinnvoll? Zwei Beispiele: Sie spritzen einen Apfelbaum und das Gift baut sich in den nächsten 2 Wochen ab. Eine dauerhafte Sicherungsmaßnahme müsste also den ungewaschenen Verzehr der Äpfel für die nächsten zwei Wochen verhindern. So etwas ist sicher machbar. Stoffe die sich schneller abbauen (innerhalb einer Generation) als die in der Kesslergrube, kann man evtl. dauerhaft sichern. Ein anderes Beispiel, Atommüll. Für diese Art von Müll gibt es nur die Sicherungsmaßnahme und keine Alternative. Man kann den Atommüll leider nicht ent-radioaktivieren und das Problem ist ungelöst und teuer (Tschernobyl, Fukushima, Hanford, Asse…). Es ist also logisch, dauerhaft ist eine Lösung nur, wenn die Lebensdauer der Maßnahme, der Dauer des Problems entspricht, sonst entsteht Flickwerk. Im Falle einer > 10.000jährigen Gefahr ist eine Dichtwand nicht einmal eine annähernd temporäre Lösung.

Frage 4: Entsteht hier durch die Sanierung eine ungünstige Umweltbilanz?

Wir glauben, dass durch die Totalsanierung mittels Dekontaminationsmaßnahme auf dem Gelände der Kesslergrube eine positive Umweltbilanz für die nächsten 10.000 Jahre geschaffen wird. Konserviert man hingegen den status quo durch eine Sicherungsmaßnahme,  konserviert man lediglich das „Gefahrenpotential der im Boden verbleibenden Schadstoffe und deren Umwandlungsprodukte“ (im Extremfall bis hin zu Dioxin-artigen Giftstoffen). Die Situation für das Grundwasser wird sich zwar auch durch eine Sicherungsmaßnahme temporär etwas verbessern, ist aber jederzeit reversibel in den Gefahrenbereich falls die Sicherungsmaßnahme nicht dauerhaft über die nächsten 10.000 Jahre funktioniert.

Frage 3: Ist die Maßnahme „wirtschaftlich“, ist der Aufwand „verhältnismaßig“?

Auch für die BASF ist die Totalsanierung mittels Dekontaminationsmaßnahme, gemessen an der enormen Finanzkraft dieses Konzerns, wirtschaftlich tragbar und verhältnismäßig. Der höhere Mittelaufwand im Vergleich zur Roche erklärt sich durch die größere, betroffene Fläche; Wirtschaftlichkeit, weil dimensionslos, ist also gegeben. Weiterhin wurden der BASF bei der Übernahme der CIBA Mittel zur Altlasten-Sanierung übergeben. Mit der Firma Novartis besteht außerdem noch eine Firma, die mit der CIBA im Zusammenhang steht (sie ist aus der Fusion von CIBA und Sandoz hervorgegangen) und die evtl. weitere Mittel bereitstellen kann.

Ein weiterer Aspekt bei der Betrachtung der Wirtschaftlichkeit ist die Bezugs-ebene. Bei einer betriebswirtschaftlichen Perspektive erscheint aus ökono-mischer Sicht die Sicherungsmassnahme als die eindeutig „wirtschaftlichere“ Lösung. Unberücksichtigt bleiben bei dieser Vorgehensweise die sogenannten gesellschaftlichen oder sozialen Kosten, erstmals vom Ökonomen K. William Kapp in „The Social Costs of Private Enterprise“ in die ökonomische Analyse eingeführt.

Bei dieser Betrachtungsweise bürdet die BASF als Eigentümerin und Sanie-rungsverantwortliche die gesellschaftlichen Kosten einer Sicherungsmaß–nahme der Allgemeinheit auf, insbesondere der Gemeinde Grenzach-Wyhlen und dem Land Baden-Württemberg. Diese gesellschaftlichen Kosten sind zum einen die fehlende Möglichkeit einer hochwertigen Nutzung des Areals, zum anderen die Verlagerung des Kostenrisikos einer Vollsanierung auf künftige Generationen.

Gesamtwirtschaftlich betrachtet ist somit die Vollsanierung die wirt-schaftlichere Lösung für die Allgemeinheit, da die anfallenden Kosten vollumfänglich von der Eigentümerin BASF getragen werden und kein Wertschöpfungsverlust für die Gemeinde entsteht.

Frage 2: Welche Sanierungs-Maßnahmen kommen in Frage?

Durch die spezielle Lage von Grenzach-Wyhlen in der Agglomeration Basel (Dreiländereck mit enormen Zukunftspotential) , in unmittelbarer Nähe zu komplex verbundenen Grundwasservorkommen als Grundlage für Trinkwasser für mehr als 200.000 Menschen, kommt wie dargelegt nach unserer Ansicht nur die Dekontaminationsmaßnahme als Sanierungsmaßnahme für die Kesslergrube infrage.

Frage 1: Was ist das Sanierungsziel für die Kesslergrube?

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die relevanten Kriterien bzw. Gesetzesvorgaben und stellt die beiden Varianten bewertet gegenüber:

Gesetzesziele

BASF

Sicherungsmaßnahme

Roche

Totalaushub

Nachhaltigkeit Negativ – Wirtschaft – v.a. das finanzielle Eigeninteresse der BASF – ist höher gewichtet als Umwelt und Gesellschaft Positiv – Lösung führt zu einem Gleichgewicht zwischen Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft
Ökobilanz Negativ – mehr Gift bleibt als entsteht. Status quo in Bezug auf Gefahrenpotenzial bleibt erhalten. Positiv – Gift wird neutralisiert
Wirtschaftlichkeit Nicht nachvollziehbar – Zukunftschancen und damit Wertschöpfungschance für Areal nicht berücksichtigt. Kosten werden auf kommende Generationen abgewälzt. Roche-Variante auf BASF Teil wäre genauso wirtschaftlich wie für Roche. Positiv – für die gewählte Variante. Zukunftspotential für Areal voll gewahrt.
Dauerhaftigkeit Negativ – wir müssen die kommenden 500 Generationen an der Überwachung beteiligen Positiv – Das Problem wird ein für alle Mal gelöst. Die Altlast kann dereinst aus dem Altlastenkataster ausgetragen werden.

Die Bewertungen in unserer Tabelle stehen somit in eklatantem Gegensatz zu Tabelle 7.2 des ERM Gutachtens vom 7. Mai 2013 (einsehbar über die Homepage des Landratamtes Lörrach).

Aufgrund dieser Darlegungen appellieren wir an die Vernunft der Verantwortlichen von BASF bei der Sanierung der Kesslergrube eine Lösung zu wählen, die eine breite gesellschaftlicher Akzeptanz hervorruft – die Totalsanierung mittels Aushub. Dies ist das einzig richtige Sanierungsziel!

An dieser Stelle wollen wir auch auf die EU Gesetzgebung zur Umwelthaftung hinweisen, speziell die Richtlinie 2004/35/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 21. April 2004 über Umwelthaftung zur Vermeidung und Sanierung von Umweltschäden. Dort steht klar:

„Die Sanierung von Umweltschäden richtet sich nach der Art des Schadens bei einer Schädigung des Bodens muss eine Dekontaminierung erfolgen, durch die jedes erhebliche Risiko für die menschliche Gesundheit ausgeschlossen wird.“

Als Lehrbeispiel für die Verantwortlichen der BASF und andere Interessierte bzw. Betroffene empfiehlt sich auch die Lektüre der öffentlich zugänglichen „Roche Position on Landfills /Contaminated Soil“ (in Englisch).

Anbei ein Auszug:

Historically, the use of landfills has been commonly accepted and utilized as the method of disposal. However, improved knowledge of geological characteristics and adverse impacts associated with chemical contamination of soil and groundwater through the disposal of ffinanzkraftwaste – in particular hazardous waste – in landfills now represents a potential long-term risk for man and the environment. Experience shows that sooner or later all landfills and contaminated areas, even if equipped and secured with technologies presumed today to be ultimately safe, may eventually turn into a threat for its surroundings. Toxic emissions could seriously affect the soil, the ground- or drinking water and ultimately the health of residentsRoche believes that existing landfills containing hazardous wastes threatening the environment should be addressed proactively, even if this entails applying solutions exceeding the individual country’s legal framework. The issue should be resolved entirely and sustainably and no long-term continuous technical processes, i.e. pumping and treating of leachates from a contaminated site, should be required to keep the existing risk at bay…. Roche is committed to a proactive, holistic, environmentally and socially responsible and integrated riskbased approach to determine the best course of action for contaminated sites and landfills. All activities developed and implemented must meet the following criteria:

• be legally compliant;

consider the state of the art and apply best available techniques;

• reduce negative impacts to the environment;

• preclude additional risks as far as feasible;

• protect the health and ensure the safety of workers and the population;

• be conducted in an open and transparent context; and

• ultimately and sustainably minimize or where feasible eliminate the company’s long-term liability….

…Waste handling practices have dramatically evolved over time and many habits perceived to be acceptable in earlier times have turned out to be unsuitable from today’s perspective… Roche’s policy aims for a sustainable and ultimate course of action to eliminate long-term risks for the public and the environment. Hence Roche often engages in voluntary approaches that reach beyond the local legal framework.“