Stellungnahme der BI zum Thema Zukunftsentwicklung des BASF-Areals

Ein Blick über den Rhein lässt erstaunen: Der vieldiskutierte Strukturwandel ist dort in vollem Gange. Fast täglich erfahren wir von Arealtransformationen in der Regio Basel, bei denen ehemalige chemische Produktionsstätten in zukunftsfähige Anlagen aus den Bereichen Pharma und Life- Sciences umgewandelt werden. Gleichzeitig entwerfen wirschaftsorientierte Verbände wie Metrobasel eine Vision für die Zukunftsentwicklung der Gesamtregion, die den globalen Herausforderungen gerecht wird. Und was tut sich bei uns, macht der Strukturwandel etwa an der Grenze halt oder verpassen wir etwas Entscheidendes? Leben wir hier in einer Blase, die noch im Denken einer nicht wiederbringbaren Vergangenheit verharrt? Streiten wir fern der grossen Konzernleitungen noch weitere Jahre um Sanierungsvarianten, Bebauungsplanänderungen oder Kläranlage, während in unserer Nachbarschaft zukunftsorientierte Ansiedlungen realisiert werden?

Angesichts des Flächenbedarfs in Region und Gemeinde stellt sich die Frage: Wie lange kann BASF ein Areal von 35 Hektar in bester Lage im Zentrum der Agglomeration Basel weitgehend leer stehen lassen? Aktuell verliert sich ein einziger Mitarbeiter auf 1’800 Quadratmeter Fläche! Die Suche ansässiger chemischer Produktionsbetriebe nach industriellen Neuansiedlungen mit Synergien zu laufenden Projekten verläuft bekanntlich seit Jahren ohne Erfolg. Gibt es ein deutlicheres Signal, dass auch hier der Strukturwandel angekommen ist? Nachdem die Ansiedlung eines grossen Sondermüllentsorgers auf dem BASF-Areal verhindert werden konnte, ist nun der Weg frei zu innovativen Ansiedlungen, die dem Potenzial der Umgebung gerecht werden.

Nach der absehbaren Aufgabe der Produktion des antiseptischen Wirkstoffs Triclosan braucht es für die Sicherung des BASF-Standorts neue Impulse. Die jüngsten Meldungen, dass die Konzernzentrale in Ludwigshafen ‘strategische Neuausrichtungen’ plant, bei denen eine weitere Verlagerung der Aktivitäten nach China erfolgen soll, gehen offensichtlich in die falsche Richtung. Dagegen wäre eine Bewerbung an dem von der Bundesregierung geförderten Projekt einer Batteriezellen-Produktion für E-Autos seitens der BASF ein sichtbares Signal, am Standort Grenzach langfristig festzuhalten. Dass der Standort Deutschland für international tätige Firmen generell interessant bleibt, belegen unzählige Neuansiedlungen im High-Tech Bereich.

Es sollte deshalb im ureigensten Interesse von BASF und Gemeinde sein, den Strukturwandel durch professionelle Wirtschaftsförderung aktiv mitzugestalten. Als ersten Schritt könnten Fachexperten analog zum Basel Economic Forum (BEF) eine Vision zur Entwicklung des BASF-Areals entwerfen. Beispiele für erfolgversprechende Transformationen von ehemals ‘chemisch belasteten’ Arealen sind in Sichtweite, das Klybeck-Areal oder der Infrapark Baselland können hier als Modelle dienen. Ergänzend dazu wäre eine konzertierte Aktion zwischen Arealeigentümer und den historisch mit dem Standort verwachsenen Pharmaunternehmen denkbar, woraus sich neue Synergien auf allen Ebenen – einschliesslich der anstehenden Arealsanierungen – ergeben können.

Wie in der Studie ‘Chancen aus Strukturwandel – Die nachhaltige Transformation der BASF-Areale in der Agglomeration Basel’ (M. Bertram, REGIO BASILIENSIS, 2015) fachkundig ausgeführt, kann der Standort am Dreiländereck zu einem innovativen Vorzeigeprojekt der gesamten Region werden. Damit würde der nicht aufzuhaltende Strukturwandel für BASF und für unsere Gemeinde nicht zum Schicksal, sondern zur Chance.

gez. Prof. Dr. Manfred Mutter, Grenzach-Wyhlen

Presse:

Badische Zeitung vom 24.11.2018: Strukturwandel als Chance

Die Oberbadische vom 24.11.2018: Gedruckte Ausgabe Seite Grenzach-Wyhlen