Stellungnahme: Sanierung Hirschackergrube aus Sicht der BI Zukunftsforum nicht abgeschlossen!

Wir begrüssen die Durchführung einer öffentlichen Informationsveranstaltung am 22.5.2018 in Grenzach-Wyhlen zum Stand der Sanierung des Grundwassers im Bereich Hirschackergrube und den transparenten und klaren Vortrag dazu durch die Firma HPC. Aus unserer Sicht möchten wir zum jetzigen Zeitpunkt die folgenden 5 Punkte feststellen:

  1. Die Hirschackergrube ist de facto nicht von all ihren unkontrolliert abgelagerten Schadstoffen zu befreien, ein Teil der Schadstofffracht ist in den unzugänglichen Muschelkalk gesickert und mit vertretbarem Aufwand nicht zugänglich. Deshalb kann auch nicht von einem uneingeschränktem Sanierungserfolg der Grube gesprochen werden. Es werden daher weiterhin auf unbestimmte Zeit Schadstoffe an das Grundwasser abgegeben werden.
  2. Wir stimmen darin überein, dass diverse Schadstoffkonzentration im Grundwasserbereich der Grube rückläufig sind und auf diversen Kontrollebenen unter gesetzliche Grenzwerte gefallen sind. Allerdings sind die Schadstoffkonzentration im Bereich des Hotspots nach wie vor erhöht und schwanken stark (April 2017: 149 ug/L vs. Februar 2017: 67 ug/L). Eine Reduzierung der Grundwasserreinigung im Aussenbereich erscheint möglich. Dennoch erscheint eine gezielte Reinigung im Bereich des Hotspots weiterhin sinnvoll da hier die Werte nach wie vor hoch sind. Sensible Nutzungen in der unmittelbaren Nähe ( Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft) rechtfertigen in der Regel einen höheren Aufwand.
  3. Wir sind besorgt über die Neu-Identifizierung von mindestens 10 bislang nicht näher charakterisierten Substanzen im Grundwasser (diese wurden auf der Info-Veranstaltung erstmals erwähnt), mit möglicherweise Umwelt-relevantem Potential. Wir sehen dies als Beispiel und Beweis dafür, dass wir über die dynamische Schadstoffheterogenität im Boden und im Grundwasser kein umfassendes Bild haben und für Überraschungen weiterhin gerüstet sein müssen. Wir sind ausserdem überrascht, dass nur einige hundert Substanzen im Grundwasserbereich der Grube gefunden wurden, während wohl mehrere tausend abgelagert wurden. Möglicherweise sind viele davon nicht löslich, haben sich bereits vollständig gelöst und sind ausgeschwemmt oder haben sich zu anderen Produkten „ab“- bzw. umgebaut. Metabolite oder Transformationsprodukte bekannter Schadstoffe sollten daher zukünftig systematisch bei der Gefahrenbetrachtung erfasst werden. Es erscheint deshalb wichtig nicht nur die Reduktion der bisherigen Leitsubstanzen als Maßstab für den sogenannten Sanierungserfolg zu nehmen.
  4. Die Hirschackergrube befinden sich nur ca. 400 Meter entfernt von der Trinkwasserentnahmestelle der Gemeinde Grenzach-Wyhlen. Nach Angabe wird dort überwiegend Rhein-Uferfiltrat gefördert. Eine Information wie stark dieses Grundwasser im schlimmsten Fall auch durch das Grundwasser der Hirschackergrube beeinflusst/zusammengesetzt ist wäre dringend notwendig, sind es 10%, 30%, 50%?  Auch hier schein es starke Schwankungen zu geben. Messungen von Leitsubstanzen und Hauptabbauprodukten vor und ggf. nach dem Aktivkohlefilter, sowie ausgewählter Toxizitätstests (s.u.), würden die bisherige Analytik in sinnvoller Weise komplettieren und eine Kontamination der Trinkwasserversorgung ggf. ausschliessen (wir erinnern uns an dieser Stelle, dass Grenzach-Wyhlen vor Jahrzehnten zeitweise mit Tankwasser versorgt werden musste, war die Ursache im Rheinuferfiltrat zu suchen oder im Abstrom der Hirschackergrube?).  Das nun avisierte Monitoring des Grundwassers sollte um diese zwei Messstellen erweitert werden (Zulauf und ggf. Ablauf der Trinkwasserversorgung), die 10 neu entdeckten Substanzen sollten bis zur Klärung ihrer Struktur unter einem gesundheitlichen Orientierungswert (GOW) von 0.01 ug/L liegen. Die Toxizitätstests sollten um einen aussagekräftigen Test auf Potential für endokrine Disruption erweitert werden, wie z.B. den «Medaka Extended One Generation Reproduction Test (MEOGRT)» (näheres unter http://www.oecd.org/chemicalsafety/testing/OECD%20Work%20on%20Endocrine%20Disrupting%20Chemicals.pdf); zumindest vor dem Aktivkohlefilter der Trinkwasserversorgung, bei Auffälligkeit auch dahinter.
    Anmerkung
    : Bürgermeister Dr. Tobias Benz hat im Nachgang der Informationsveranstaltung die Bereitschaft der Gemeinde Grenzach-Wyhlen erklärt, zusätzliche Monitoring-Kontrollen im Bereich der Trinkwasserfassung durchzuführen. Die BI wird hier beratend zur Seite stehen.
  5. Es sollte untersucht werden ob und inwieweit die Landwirtschaft Grundwasser aus dem Abstrombereich der Hirschackergrube entnimmt und auf umliegende Felder aufbringt. Dort besteht die Gefahr einer Wasser-Boden-Pflanze-Mensch/Tier Kontamination. Eine Charakterisierung, auch rückwirkend, dieser Möglichkeit erscheint dringend notwendig.

Gez.: Dr. Markus John, Prof. Manfred Mutter, Dr. Peter Donath

Presseschau: